Der Titel dieses Posts ist Programm – zumindest dann, wenn das Leistungsschutzrecht so ausgelegt wird, dass bereits das Verlinken kostenpflichtig werden soll. Denn genau die Verlinkung ist eines der zentralen Erfolgsprinzipien des Internets.
Was ist das Problem?
Google und ähnliche Dienste zeigen in der Regel nur kurze Ausschnitte von Inhalten an. Sie ersetzen keine Artikel, sondern lenken Nutzer gezielt auf die Seiten der Verlage weiter. Damit liefern sie letztlich kostenlosen Traffic.
Wenn man dafür Geld verlangt, ohne eine echte Gegenleistung zu bieten, kann das schnell nach hinten losgehen.
Beispiel Spanien
Spanien hat genau diesen Weg eingeschlagen. Die Folge:
Google stellte Google News in Spanien ein.
Die Konsequenzen waren absehbar:
- weniger Besucher auf Nachrichtenseiten
- besonders kleinere Verlage verloren Reichweite
Der eigentliche Denkfehler
Das Leistungsschutzrecht setzt an der falschen Stelle an.
Es versucht, Einnahmen über Regulierung zu erzwingen, statt das Geschäftsmodell an die Realität des Internets anzupassen.
Das Internet funktioniert nun mal über:
- Auffindbarkeit
- Verlinkung
- Reichweite
Wer diese Mechanismen einschränkt, schwächt sich selbst.
Was wäre sinnvoller?
Statt neue Gesetze zu forcieren, wäre ein anderer Ansatz naheliegend:
- einfache, zentrale Bezahlsysteme
- Micropayments für einzelne Artikel
- keine Pflicht, überall separate Accounts zu erstellen
Warum nicht gemeinsam mit Plattformen Lösungen entwickeln, statt gegeneinander zu arbeiten?
Fazit
Das Leistungsschutzrecht löst kein Problem – es verschiebt es nur.
Im schlimmsten Fall reduziert es sogar die Sichtbarkeit der Inhalte, die es eigentlich schützen soll.
Vielleicht wäre es sinnvoller, weniger Energie in Lobbyarbeit und mehr in tragfähige digitale Konzepte zu investieren.
Das Unverständnis bringen auch die Userkommentare im Beitrag von Spiegel.de zum Ausdruck.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/google-news-in-spanien-abgeschaltet-kein-geld-fuer-verlage-a-1009027.html
Das Internet existiert seit Jahrzehnten. Dennoch tun sich viele Medienunternehmen schwer, funktionierende digitale Geschäftsmodelle zu etablieren.
Ein möglicher Ansatz wäre, stärker mit Plattformen wie Google zusammenzuarbeiten, statt primär auf regulatorische Lösungen zu setzen. Ziel müsste es sein, Modelle zu entwickeln, die sowohl Reichweite als auch Monetarisierung berücksichtigen.
Gerade in der Schweiz könnten Akteure wie Ringier oder Tamedia gemeinsam mit dem Branchenverband Schweizer Medien eine koordinierte Lösung vorantreiben.
Ein denkbares Modell wäre eine Weiterentwicklung des klassischen Kiosk-Prinzips:
- einzelne Artikel gegen kleine Beträge verfügbar
- einfache, zentrale Zahlungsabwicklung
- ergänzend transparente Bewertungssysteme für Inhalte
Damit könnte ein Leser vorab besser einschätzen, ob sich ein kostenpflichtiger Artikel lohnt.
Aus Nutzersicht ist das entscheidend. Niemand möchte für Inhalte bezahlen, die letztlich nicht mehr Substanz bieten als eine reißerische Überschrift. In solchen Fällen ist der wahrgenommene Gegenwert schlicht zu gering.
In diesem Sinne kann man nur an Medienunternehmen wie Ringier und Tamedia appellieren, gemeinsam mit Plattformen wie Google tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Mit dem Verband Schweizer Medien http://www.schweizermedien.ch wären die Voraussetzungen dafür eigentlich bereits vorhanden.






